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Das Arbeitszeugnis als Mittel der Personalauswahl

Auf eine neu zu besetzende Stelle erhalten Arbeitgeber nicht selten Dutzende oder gar Hunderte von Bewerbungen. Anhand der Lebensläufe wird im Rahmen der Vorauswahl geprüft, welche Bewerber dank ihres Werdegangs bzw. ihrer beruflichen Erfahrungen für die zu besetzende Stelle besonders geeignet erscheinen und somit in die engere Wahl kommen.

Arbeitszeugnissen kommen im Anschluss zwei wichtige Funktionen zu. Zum einen sollen sie die Angaben im Lebenslauf beglaubigen. Deutschen Arbeitgebern bleibt somit die schwierige Aufgabe erspart, kostenintensive „background checks“ durchzuführen, wie sie in den USA üblich sind, um sicherzustellen, dass ein Arbeitnehmer tatsächlich in den angegebenen Funktionen bei den genannten Unternehmen tätig war.

Die zweite wichtige Funktion, die ein Arbeitszeugnis erfüllt, ist es, die erbrachten Leistungen in den jeweiligen Stellen zu bewerten. Anders als vielfach angenommen muss ein einzelnes schlechtes oder auffälliges Zeugnis kein „Karrierekiller“ sein. Wer über viele Jahre hinweg in einem renommierten Unternehmen tätig war, kann so schlecht nicht gewesen sein, auch wenn der Arbeitgeber im Abschlusszeugnis Probleme oder Konflikte andeutet. Schwieriger ist es, wenn die Arbeitsverhältnisse jeweils recht kurz auffallen und mehrere Zeugnisse die gleichen Probleme andeuten. Wenn einem Arbeitnehmer zum Beispiel mehrfach nacheinander nach einem Zeitraum von unter zwei Jahren vom Arbeitgeber gekündigt wurde, sucht ein erfahrener Personaler natürlich nach übereinstimmenden Hinweisen darauf, was die Gründe hierfür waren. Wenn in diesen Zeugnissen jeweils ein wichtiger Aspekt, wie zum Beispiel die Arbeitsbereitschaft, schwach oder gar nicht bewertet wird, handelt es sich offenkundig um einen Arbeitnehmer mit Motivationsproblemen, der den erforderten Einsatz nur für einen kurzen Zeitraum erbringt und dann stetig abbaut.

In Unternehmen, in denen ein hoher Zeit- und Kostendruck herrscht, wirkt sich dies unweigerlich negativ auf das Arbeitsklima aus. Nicht jeder kann mit diesem physischen und psychischen Druck langfristig umgehen. Die Folge sind wiederholte Fehlzeiten aufgrund von Krankheit und Konflikte mit Kollegen, die einen krankheitsbedingten Ausfall zusätzlich auffangen, also Überstunden und Mehrarbeit leisten müssen.

Hieraus ergeben sich mehrere Empfehlungen für Arbeitnehmer. Wer bereits weiß, in welche Richtung er bzw. sie sich zukünftig entwickeln möchte, kann darauf Einfluss nehmen, dass die dafür wichtigen Erfahrungen und Spezialkenntnisse im Zeugnis erwähnt werden, damit die Neubewerbung für die ausgeschriebene Stelle besonders passend erscheint. Zudem kann eine Prüfung des Arbeitszeugnisses aufzeigen, ob der Arbeitgeber im Zeugnis in irgendeiner Weise Probleme andeutet. Falls dies der Fall ist, sollte man mit ihm das Gespräch suchen und nach Möglichkeit eine Entfernung der kritischen Stellen erwirken.